Die Lese 2016 war sicher eine der längsten der letzten Jahre im wörtlichen Sinne ihrer Dauer.
Die ersten Anzeichen für einen so langen Vegetationszyklus waren schon am Saisonbeginn zu bemerken, denn der Januar und die erste Februarhälfte waren von milden Temperaturen und geringen Niederschlägen geprägt und bestätigten damit einen Klimaverlauf, der bereits in der ersten Winterhälfte festzustellen war.
Gegen Ende Februar und den ganzen März über waren die Temperaturen allerdings niedrig und die Niederschläge reichlich, so dass sie dem Boden gute Wasserreserven verschaffen, wenn auch geringere als im Vorjahr. Die späte Kälte führte zu einer Verzögerung im Wachstumsbeginn um rund zehn Tage für alle Sorten im Vergleich zum Vorjahr. Das Frühjahr begann mit Regen in auffälligem Umfang, die aber keine phytopathologischen Schäden hervorriefen, da sie in einem Wachstumsstadium stattfanden, das nicht empfindlich für niedrige Durchschnittstemperaturen ist, überwiegend durch die niedrigen Mindestwerte in den Nächten.
Diese phenolische Verzögerung setzte sich bis zum Sommerende fort, der ebenfalls langsam begann, sich aber bis Anfang September entwickelte. Alle Reben waren gesund und auch Hagelfälle waren weniger intensiv und häufig als im Vorjahr. Die weißen Trauben wurden ab dem 5. September bis zum 20. gelesen und weisen hervorragende Düfte und eine gute Säure auf, weil die Spitzenwerte in der heißen Zeit nie über 35 °C hinausgingen, wie es dagegen 2015 geschehen war. Mit diesen Daten und auch angesichts des guten Zuckergehalts erwarten wir uns ausgewogene Weine mit guter Struktur. Die Lese der roten Trauben begann mit Dolcetto gleich nach dem 20. September und ging ohne Pause weiter bis Mitte Oktober mit Nebbiolo.
Die Dolcetto-Traube war bei der Lese in prächtiger Form: Es bestand kein Fruchtfall, wie es manchmal passiert: Dies lag hauptsächlich an den mäßigen Temperaturgefällen, die in den letzten zwei Wochen vor der Lese eintraten. In Bezug auf die Zuckerkonzentration war es ein sehr guter Jahrgang für Dolcetto. Besonders zeichnete sich unter diesem Aspekt zweifellos Barbera aus: Dieser Traube kam die lange Schönwetterperiode zugute, um einen hervorragenden Zuckergehalt zu erwerben, der in jedem Fall durch die gute Säure, die für diese Sorte typisch ist, gestützt wird. Die Nebbiolo-Lese begann in einigen Fällen, während die Barbera-Traube noch gelesen wurde, und folgte dann der klassischen Reihenfolge: erst die Trauben für Barbaresco und Nebbiolo d’Alba, dann für Barolo.
In allen Fällen wurde problemlos ein vollständiger Reifegrad erreicht, sowohl vom physiologischen als auch vom phenolischen Standpunkt, wie die geringe Menge an Apfelsäure beweist, die ein wichtiger Reifeindikator ist (ca. 2,5 g/l bei der Barbera-Traube, 1,5 g/l bei Dolcetto und unter 1 bei den Nebbiolo-Sorten). Die Verzögerung der Entwicklung, die in der ersten Jahreshälfte festgestellt wurde, wurde im August und September aufgeholt. Insbesondere die zweite Septemberhälfte war entscheidend für die Komponenten, die die Struktur der Weine bestimmen, vor allem der Gehalt an phenolischen Stoffen. In der Erwartung, die reale Qualität der Weine des Jahrgangs 2016 konkret beurteilen zu können, können wir, soweit es analytisch zu erkennen ist, Weine erhoffen, die von einem optimalen Gleichgewicht mit bedeutenden Aromen und einer hervorragenden Struktur geprägt sind, auch wenn in einigen Fällen ein weniger hoher Alkoholgehalt als 2015 zu verzeichnen sein wird. Man kann also mit vollem Recht einen Jahrgang mit bemerkenswerten Eigenschaften erwarten, von dem man noch lange sprechen wird.
Quelle: Consorzio di tutela Barolo Barbaresco Alba Langhe e Dogliani
