2015 begann mit einem Winter mit reichlichen Schneefällen, die optimale Wasserreservoirs in den Böden ermöglichten.
Dieser Faktor, zusammen mit einem milden Frühling schon ab Februar, führte zu einem vorzeitigen Beginn des Vegetationszyklus, und diese Verschiebung blieb dann im weiteren Verlauf des Jahres erhalten.
Der Austrieb war regelmäßig und früher als 2014, dasselbe gilt für die Blüte, die gegen Mitte Mai begann, worauf ein optimaler Fruchtansatz folgte. Die Saison ging dann weiter mit einer Folge von Niederschlägen ab Ende Mai bis zur ersten Junidekade. Ab der zweiten Junihälfte und den ganzen Juli über stabilisierten sich die Temperaturen mit Höchstwerten über dem Durchschnitt – man denke nur, dass im Juli die Höchsttemperaturen Spitzenwerte um 40 °C erreichten und die Mittelwerte deutlich über 30 °C lagen. Die Hitze verursachte jedoch keinerlei Belastung für die Rebstöcke dank der reichlichen Wasserreserven, die in den ersten Monaten des Jahres angesammelt worden waren. Die klimatischen Bedingungen, die am Sommeranfang verzeichnet wurden, legten die Basis für eine verfrühte Reifung der Trauben um rund zehn Tage im Vergleich zum Vorjahr, aber im Einklang mit einem Jahrgang, den man noch als „normal“ bezeichnen kann. Vom quantitativen Standpunkt erlebten wir im Durchschnitt Erträge in der Norm, so dass gezielte, umsichtige Ausdünnungen vorgenommen werden konnten.
Besondere Aufmerksamkeit war in diesem Jahr gerade für den Aspekt der Laubarbeit nötig: Angesichts der reichlichen Sonnenstrahlen musste sehr vorsichtig vorgegangen werden, um die Trauben nicht zu stark freizulegen und keine Verbrennungsschäden zu erhalten, vor allem in den Weingärten mit Süd- und Südwestlage. Ansonsten, beim gesundheitlichen Aspekt der Trauben, können wir den Jahrgang als einen der besten in den letzten Jahren verbuchen, denn er erforderte keine besonderen Schutzmaßnahmen: Das Klima trug entscheidend dazu bei, die Entwicklung von Pilzkrankheiten zu begrenzen, mit Ausnahme von einigen Gebieten, die von Hagel betroffen waren, glücklicherweise nicht sehr ausgedehnt und genau begrenzt. Bei den weißen Reben begann die Lese Ende August für die früheren Sorten und günstigeren Lagen und zog sich bei den späteren Rebsorten bis Mitte September hin.
Bei der Lese zeigten sich die Trauben in optimalem Gesundheitszustand, was auch durch die analytischen Daten bestätigt wurde: Sie waren sehr positiv sowohl in Bezug auf den Zuckergehalt (19,3° Babo im Durchschnitt) als auch auf das Säureprofil (mit pH-Werten um 3,20), was wesentlich ist, um angenehme Trinkbarkeit und Struktur für den Wein zu erhalten.
Die Dolcetto-Lese begann um die zweite Septemberwoche.
Die Sommerhitze hat hier mehr als bei anderen Sorten einen Rückgang der Säure verursacht, während die optimale Sonnenstrahlung im Sommer eine gute Konzentration von Anthocyanen erlaubte. Dies sollte samtige Weine mit intensiver Farbe hervorbringen. Betrachtet man die Reifungsdaten der Barbera-Trauben, erkennt man leicht, dass dieser Rebsorte der Klimaverlauf des Jahres zugute kam, denn sie zeigt sich bei der Reife mit besonders vielversprechenden, sehr ausgewogenen Werten: Die genetisch hohe Säure ist durch die physiologischen Phänomene deutlich verringert, begünstigt durch die Hitze im Juli, und das Sommerende mit kühleren Nächten ermöglichte ein Gleichgewicht von Anthocyanen und Tanninen sowie eine gute Zuckerausstattung.
Die Nebbiolo-Traube kam perfekt zur Reife, wenn auch leicht verfrüht im Vergleich zum Durchschnitt der letzten Jahre. Besonders in der zweiten Sommerhälfte erlaubte der Klimaverlauf eine hervorragende Konzentration an Polyphenolen. Bei der Analyse ergab sich eine hervorragende Qualität an Tanninen, die sicher gut strukturierte, elegante und langlebige Weine garantieren werden. Was die Farbstoffe angeht (Anthocyane), sammelt Nebbiolo bekanntlich keinen großen Gehalt an, insbesondere in warmen Jahren, aber die gute Ausstattung und Qualität der Tannine sollte die Stabilität auch vom Standpunkt der Farbintensität gewährleisten. Der Zuckergehalt beläuft sich potentiell auf Mittelwerte bei 14 – 14,5 %vol, während die Säure ideal für den Nebbiolo ist (6,5 g/l).
Die Reifedaten lassen deutlich eine große Harmonie der technischen Parameter erkennen, die weit über die Ziffern hinausgeht und damit alle Voraussetzungen bietet, um bedeutende Weine zu gewinnen. Generell können wir ohne Zweifel behaupten, dass auch angesichts der großen Ausgewogenheit, die aus den Reifedaten hervorgeht, alle Voraussetzungen für einen großen Jahrgang bestehen, der wie wenige andere in der Geschichte im Gedächtnis bleiben wird.
Quelle: Consorzio di tutela Barolo Barbaresco Alba Langhe e Dogliani
